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22 May 2015 / DE

GESELLSCHAFTLICHE INNOVATION IM NAHRUNGSMITTEL- UND ENERGIEBEREICH Ein Weg für regionale Investitionen

Schlusserklärung der auswärtigen Sitzung der EVP-Fraktion im Europäischen Ausschuss der Regionen in Mailand

  1. EINE SOLIDE TERRITORIALE DIMENSION FÜR DEN EUROPÄISCHEN NAHRUNGSMITTELBEREICH: Im Bereich der Nahrungsmittelerzeugung müssen Anbauer, Halter und Erzeuger auf der einen Seite und Käufer, Köche und Verbraucher auf der anderen zusammengeführt werden. Wir rufen daher die Mitgliedstaaten und die EU-Institutionen auf, die starke Bindung zwischen Erzeuger und Verbraucher wiederherzustellen, indem vorrangig lokale Erzeugnisse und kurze Vertriebswege gefördert werden und der Wert regionaler und lokaler Besonderheiten betont wird. Neben dem wirtschaftlichen Nutzen würde sich diese Verkürzung der Transportwege in weniger Emissionen niederschlagen und Europa helfen, seine ehrgeizigen Klimaschutzziele zu erfüllen.
  2. ERZIEHUNG ZU EINER GESUNDEN UND AUSGEWOGENEN ERNÄHRUNG: In einigen Gebieten der Europäischen Union leiden mehr als 7% der Bevölkerung an chronischem Kalorienmangel, während jedes dritte Kind im Alter von 6-9 Jahren in der EU übergewichtig oder fettleibig ist. Darüber hinaus ist die Gesamtenergieaufnahme in anderen Teilen der EU zwar angemessen, die Ernährung jedoch einseitig und unausgewogen, was schwerwiegende Mangelerscheinungen zur Folge hat. Als Lokal- und Regionalpolitiker sind wir bereit, unserer Verantwortung gerecht zu werden und die Bürgerinnen und Bürger diesbezüglich besser zu bilden, in den Schulen soziale und Aufklärungskampagnen über die Bedeutung einer gesunden und ausgewogenen Ernährung zu starten und zu fördern und dabei den Schwerpunkt auf lokale Erzeugnisse und die Verringerung der Lebensmittelverschwendung zu legen. Im Hinblick auf gute Ergebnisse weisen wir nachdrücklich darauf hin, dass die Erziehung zu einer gesunden und ausgewogenen Ernährung bereits in der Schwangerschaft beginnen muss, da gerade werdende Eltern bereit sind zu lernen, was für die Gesundheit und das Wohlergehen ihres Kindes am besten ist. Wir unterstützen die Forderung des Europäischen Parlaments, 2016 zum Europäischen Jahr der Bekämpfung der Lebensmittelverschwendung zu erklären.
  3. INNOVATIVE LÖSUNGEN FÜR DEN LEBENSMITTELBEREICH: Wir betonen, dass die wissenschaftliche Forschung Chancen bietet, im Lebensmittelsektor, wo zahlreiche Erzeugnisse als Teil des öffentlichen Kulturerbes gelten, Innovation und Tradition zusammenzuführen. Wir plädieren für mehr Forschung und Innovation in diesem Bereich, insbesondere für innovative Formen und Technologien der lokalen Erzeugung, Verarbeitung und Verpackung. Wir fordern die Mitgliedstaaten auf, lokale und ökologische Erzeuger bei Investitionen in neue Lebensmitteltechnologien zu unterstützen, um die Lebensmittelsicherheit zu erhöhen, kulinarische Traditionen zu bewahren und das Wirtschaftsmodell der kleinbäuerlichen und handwerklichen Erzeuger zu schützen. Wir müssen das Vertrauen der Verbraucher in Bio-Erzeugnisse stärken, Hindernisse für die nachhaltige Entwicklung der lokalen und ökologischen Nahrungsmittelerzeugung beseitigen, den europäischen Binnenmarkt für Lebensmittel- und Fischereierzeugnisse verbessern und einen diskriminierungsfreien Wettbewerb der Landwirte und Marktteilnehmer gewährleisten, da dies einen diversifizierten und marktfreundlichen Zugang zu Nahrungsmitteln sicherstellen wird.
  4. FINANZIERUNG INNOVATIVER KLEINER UND MITTLERER UNTERNEHMEN (KMU) IM LEBENSMITTEL- UND ENERGIESEKTOR: Wir weisen nachdrücklich darauf hin, dass die KMU zentrale Träger von Wachstum und Beschäftigung in unseren Regionen und Städten sind und das Rückgrat der europäischen Wirtschaft bilden. Angesichts der Schwierigkeiten beim Zugang zu Finanzierungen brauchen innovative KMU, die in Projekte in den Bereichen Lebensmittel und umweltfreundliche Energie investieren, Unterstützung bei der Mobilisierung von Investitionen und internationalen Investoren. Daher müssen wir ein Umfeld schaffen, in dem sich möglichst viele KMU unabhängig von ihrer Größe über die Kapitalmärkte finanzieren können und nicht nur auf die Banken angewiesen sind. Wir fordern die Schaffung umfassender Synergie-Effekte zwischen der Kohäsionspolitik, dem Europäischen Fonds für strategische Investitionen und dem KMU-Instrument zur Schaffung unternehmerischer Ökosysteme im Rahmen von Horizont 2020. Die Verfahren für den Zugang von KMU zu EU-Mitteln müssen vereinfacht und gestrafft werden. Wir appellieren an die KMU, die unseren Planeten mit Lebensmitteln und Energie versorgen, die verfügbaren Mittel effizient für die Förderung lokaler Systeme und die Schaffung neuer unternehmerischer Tätigkeiten zu nutzen.
  5. INTELLIGENTE STÄDTE UND MODERNISIERTE LÄNDLICHE GEBIETE FÜR EINE INNOVATIVE UND RESSOURCENSCHONENDE WIRTSCHAFT MIT GERINGEN CO2-EMISSIONEN: Zahlreiche Regionen und Städte der EU verfügen über Zuständigkeiten und Haushaltsmittel für Investitionen in Innovation, was vor allem durch die Konzipierung und Umsetzung von Strategien für eine intelligente Spezialisierung erfolgt. Wir unterstreichen die Notwendigkeit einer engeren Verknüpfung der verschiedenen Bereiche, die mit Lebensmitteln und Energie zu tun haben, wie Forstwirtschaft, Meeresressourcen, Wasser, Abfälle, Landwirtschaft, Klimaschutz und Flächennutzung, da sie allesamt eine entscheidende Rolle bei der Schaffung einer “grünen” Wirtschaft spielen. Die innovative lokale Erzeugung von Nahrungsmitteln und Energie schafft nicht nur vor Ort neue Arbeitsplätze und neue Kompetenzen im Hochtechnologiebereich, sondern kann auch der Entvölkerung oder einem zu großen demografischen Druck auf die städtischen Gebiete entgegenwirken. Wir streben engere Verbindungen zwischen lokalen Erzeugern, Verbrauchern und Herkunftsgebieten an, da es für die wirtschaftliche und soziale Entwicklung und das Wachstum unserer Regionen gut ist, wenn sowohl Produktion als auch Konsumtion vor Ort angesiedelt sind. Gleichzeitig möchten wir betonen, dass der wachsende Erfolg von Bioprodukten auf keinen Fall zu lascheren Kontrollen oder der falschen Auslegung der Standard-Schutzvorschriften führen darf.
  6. DIE STÄDTE UND REGIONEN DER EU ALS FÖRDERER EINER NACHHALTIGEN GESELLSCHAFT: Die gesellschaftlichen, wirtschaftlichen und ökologischen Herausforderungen bewirken einen raschen Wandel unserer Welt. Bevölkerungswachstum, Veränderungen der geopolitischen Machtverhältnisse und Klimawandel, gepaart mit einem raschen technologischen Fortschritt drängen uns, unsere Gesellschaft nachhaltiger zu gestalten. Die Städte und Regionen der EU wollen mit vereinten Kräften die Lebensqualität der europäischen Bürgerinnen und Bürger verbessern, das lokale Wirtschaftswachstum bei gleichzeitiger Erhaltung der biologischen Vielfalt fördern, den Klimawandel eindämmen und sich daran anpassen, indem sie zukunftsorientierte Modelle der Erzeugung von Lebensmitteln und sauberer Energie und entsprechende Verbrauchsmuster schaffen. Wir begrüßen, dass die Weltausstellung 2015 unter dem Motto “Feeding the Planet – Energy for Life” im Europäischen Jahr für Entwicklung stattfindet und mit dem angestrebten Termin für die Umsetzung der acht Millenniumsentwicklungsziele in Bezug auf die Beseitigung der Armut und des Hungers und die Gewährleistung ökologischer Nachhaltigkeit zusammenfällt.
  7. AUF DEM WEG ZU EINER INTELLIGENTEN ENERGIEWENDE: Als gewählte Mandatsträger erbringen wir Dienstleistungen für die Bürger und haben damit eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung intelligenter Konzepte für die Verwirklichung der Energie- und Klimaschutzziele für 2030 und für die Gestaltung der künftigen Gesellschaften. Im Rahmen unserer Zuständigkeiten leisten wir einen aktiven Beitrag zur Energiewende durch die Förderung intelligenter Gebäude, eine umweltfreundliche öffentliche Beleuchtung, klima- und umweltschonende Verkehrssysteme und eine effiziente Wasser- und Abfallbewirtschaftung. Weitere Anstrengungen bei der Forschung und Innovation im Bereich Energieeffizienz sind erforderlich, insbesondere im Hinblick auf den Ausbau und die Modernisierung der Infrastruktur und den Aufbau intelligenter Netze auf lokaler und regionaler Ebene, die Erzeuger, Verbraucher und Prosumenten (diejenigen, die Erzeuger und Verbraucher zugleich sind) auf intelligente Weise miteinander verbinden. Wir fordern eine Ausweitung der Energieerzeugung im kleinen Maßstab und deren effiziente Integration in die Verteilungsnetze. Wir fordern ein technisch und organisatorisch neues System für die Erzeugung, Verteilung und den Verbrauch von Energie, das eine nachhaltige, erschwingliche, wettbewerbsfähige und sichere Versorgung der Bürger, Gemeinden und Unternehmen mit Energie gewährleisten kann.
  8. FÖRDERUNG UND VERBREITUNG NACHAHMENSWERTER VERFAHREN: Wir verpflichten uns zur Förderung und Vermittlung beispielhafter innovativer Verfahren für Lebensmittel- und Energieerzeugung, -verteilung und -verbrauch, die sich auf regionaler und lokaler Ebene bewährt haben. Es gilt, das Bewusstsein und die gesellschaftliche Akzeptanz durch Ernährungserziehung und die Förderung positiver Verhaltensmuster für eine effizientere Nutzung von Energie und anderen Ressourcen zu stärken. Wir unterschreiben nachdrücklich die in der Mailänder Charta enthaltene Forderung nach Ermittlung beispielhafter Vorgehensweisen in der Politik, die den regionalen und lokalen Erfordernissen entsprechen und die Entwicklung sicherer und gut funktionierender Systeme der Erzeugung und des Vertriebs von Lebensmitteln sowie nachhaltige Energiemodelle im Bereich der öffentlichen Dienstleistungen und bei auf die Ökobranche ausgerichteten öffentlichen Projekten fördern.